Autor Thema: Z  (Gelesen 872 mal)

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Offline jest-the-best

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Z
« am: 06. Nov 10, 22:11:52 »
Hallo zusammen!

Ich habe mit einem befreundeten Zahnarzt kürzlich ein interessantes Thema aufgegriffen. Es ging um Zähne. Ich habe ihm erzählt, dass wir die Zähne unserer Pferde einmal im Jahr kontrollieren lassen und ca. jedes zweite bis dritte Jahr sog. Haken "abfeilen" lassen müssen. Soweit hat das ja bestimmt schon jeder mitgemacht. Er war dann aber verwundert, dass nicht nur die Molaren (Backen- bzw. sog "Mahl"zähne) bearbeitet werden, sondern es in Einzelfällen auch sein kann, dass ebenso die Frontzähne gekappt werden müssen, wenn diese zu "lang" sind (so geschehen bei einem 30 jährigen Pony im früheren Stall).
Die Pferde- Dentistin hat damals jedoch meiner Freundin gesagt , dass es in ein paar Jahren eventuell nochmal gemacht werden müsse.

Wir waren uns nicht ganz einig, wachsen Pferdezähne nach (etwa wie bei Nagern) und dann im Alter eventuell schneller???

Hat jemand schon mal die Frontzähne behandeln müssen ggf. auch öfters oder ist nach einem Mal "Ruhe"???

Freue mich über Erfahrungsberichte!
LG Sabrina  ;)

Offline amy

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Re: Z
« Antwort #1 am: 07. Nov 10, 19:25:57 »
also.. kleine Zahnkunde:
Das Gebiß der Pferde ist darauf spezialisiert hartes Steppengras abzubeißen und zu zermahlen. Die Pferde bekommen bei der heute üblichen Haltungsform weicheres und energiereicheres Futter als es die Natur vorgesehen hat. Da beim Zermahlen dieser Nahrung die Seitwärtsbewegung der Kiefer verringert ist, wird die Bildung von scharfen Kanten an den Backenzähnen begünstigt. Häufig werden die Schneidezähne zu lang, da sie nicht mehr zum Abbeißen von Gras gebraucht werden und der entsprechende Abrieb fehlt. Dadurch haben die Backenzähne beim Zermahlen des Futters einen zu großen Abstand und zu wenig Kontakt.
 
Der Oberkiefer der Pferde ist breiter als der Unterkiefer. Deshalb entstehen am Oberkiefer außen und am Unterkiefer innen scharfe Kanten. Diese Kanten verletzen die Backenschleimhaut und die Zunge. 
Beim Zahnwechsel können sich die Milchzähne (Milch-Kappen) zwischen zwei anderen Zähnen einklemmen. Der Zahnwechsel kann nicht stattfinden, der verbliebene Zahn übt starken Druck auf den Kieferknochen aus und es bilden sich Knochenauftreibungen (Beulen) am Unterkiefer. 
Pferdezähne hören nicht mit dem Längenwachstum auf, sie schieben sich jährlich etwa 2 mm aus dem Zahnfach heraus. Die Zähne schleifen sich an der Nahrung, aber auch gegenseitig ab. Fehlt ein Zahn, oder ist ein Kiefer kürzer als der Gegenkiefer, so fehlt dem gegenüberliegendem Zahn der Abrieb. Dieser Zahn wird dann so lang, daß er bald die Beweglichkeit der Kiefer blockiert und sich sogar in das Zahnfleisch und in den Kieferknochen der gegenüberliegenden Seite bohren kann. 
 
Viele Pferde haben im Oberkiefer vor dem ersten Backenzahn einen Wolfszahn, Wolfszähne treten schon mit etwa 7 Monaten in Erscheinung. Manchmal hat der Wolfszahn das Zahnfleisch nicht durchbrochen, er wird dann als "blinder Wolfszahn" bezeichnet. Wolfszähne sind rudimentäre Zähne (P1) aus der Entwicklungsgeschichte des Pferdes. Sie sind meistens sehr klein (wie ein menschlicher Eckzahn) und haben kurze Wurzeln. Sie liegen genau dort wo auch das Trensengebiß aufliegt und stören deshalb häufig. Sie sind im Normalfall leicht zu entfernen.

Das schreibt mein Pferdezahnarzt dazu, A. Soulier.  Daher sollten grundsätzlich die Schneidezähne bei einer Behandlung gekürzt werden. Alles andere kann man sich sparen. Ich kann jedem nur empfehlen, alle 1 - 1 1/2 Jahre einen geprüften Zahnspezialisten an sein Pferd zu lassen. Meine Pferde gehen alle ein bis zwei Jahre zum Spezialisten.
« Letzte Änderung: 07. Nov 10, 19:28:48 von amy »

Offline jest-the-best

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Re: Z
« Antwort #2 am: 13. Nov 10, 09:25:45 »
Vielen Dank Amy!  :)

??? So der Zahnarzt hat sich jetzt schlau gemacht und sich in Stuttgart der Uni Hohenheim in Fachliteratur zur Tierheilkunde und im speziellen Pferdeheilkunde eingelesen.
Es wäre nun so, dass die Pferdezähne wohl oft nicht ausreichend mitwachsen (im Verhältniss zum Abrieb durch Beanspruchung des Gebisses) . Dadurch kommt es in der Zeit des Pferdelebens zwangsläufig zu einem (wenn die Ernährung des Pferdes optimal ist - Viel Raufutter, viel "Mahlarbeit") relativ gleichem Höhenverlust der Molaren (Arbeitszähne). Die Frontzähne werden dadurch zwangsläufig in eine schrägere Stellung im Kiefer gebracht, da sich diese ja anpassen müssen (die weichen nach vorne aus). Es gilt jedoch zu verhindern, dass diese ihre Kontaktzähne im Gegenkiefer verlieren und so sollten diese immer sorgsam in ihrer Stellung geprüft werden. Darum auch das Kürzen der Frontzähne bei älteren Pferden häufiger als bei jungen Pferden, da bei den "älteren" Kandidaten die Höhenminderung schon einiges mehr ausmacht.
Eine Eckzahnführung erübrigt sich beim Pferd, da diese nur mit den Mahlzähnen wirklich arbeiten. 
Soviel zu seinen Nachvorschungen.

Wir haben unsere TÄ der wir in dieser Hinsicht voll und Ganz vertrauen und holen alle drei Jahre eine spezialisierte Pferdedentistin aus Würzburg. Bis jetzt sind wir sehr zufrieden und hatten noch keinerlei Schwierigkeiten mit den Zähnen unserer Hottis.
Wenn es doch auch nur so unkompliziert mit unseren Beisserchen gehen könnte  ;) da kostet ja alles immer ein kleines Vermögen... 
« Letzte Änderung: 13. Nov 10, 09:31:08 von jest-the-best »